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Pressemitteilung
Heute haben der KARUNA Zukunft für Kinder und Jugendliche in Not International e. V. und das Gläserne Labor in Berlin die Ausstellung neuer Lernstationen „Von Wimpertierchen und badenden Eiern“ unter Anwesenheit der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales feierlich eröffnet.
Im Rahmen der Zusammenarbeit des KARUNA e.V. und des Gläsernen Labors in Berlin-Buch haben 40 Schüler aus den Lernfamilien der 7 und 8. Klasse der KARUNA Montessori Gemeinschaftsschule unter reellen Laborbedingungen zu chemischen und biologischen Phänomenen des Tabaks und des Alkohols geforscht. In diesem Zusammenhang sind auch Ideen der Schüler entstanden, wie die Präventionsparcours von KARUNA pr|events noch wirkungsvoller gestaltet werden könnten. Einige der Ideen wurden nun für die interaktiven Präventionsparcours von KARUNA pr|events umgesetzt.
In einer innovativen Lernausstellung werden die Ergebnisse des sechsmonatigen Suchtpräventionsprojekts in den Räumlichkeiten von KARUNA pr|events für viele weitere Berliner Kinder und Jugendliche erlebbar gemacht. Die neuen Lernstationen ermöglichen den ca. 20.000 Schülerinnen und Schülern, die KARUNA pr|events jährlich besuchen, die noch tiefere Auseinandersetzung mit der Wirkungsweise von Tabak und Alkohol.
Ziel der erweiterten Ausstellung ist es, die forschungsnahen Experimentierkurse des Gläsernen Labors mit den Präventionsangeboten von KARUNA pr|events zusammenzubringen, so dass möglichst viele Schüler und Multiplikatoren von den Projektergebnissen dieses einmaligen Kooperationsmodells profitieren können.
Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales, Frau Köhler-Azara:
„Durch die Kooperation des Karuna e.V. und dem Gläsernen Labor war es möglich, dass Schülerinnen und Schüler durch Experimentieren eigene Erkenntnisse über die Wirkungen von Alkohol und Tabakrauch auf Lebewesen gewinnen konnten. Als Landesdrogenbeauftragte begrüße ich es sehr, dass sich die jungen Menschen aktiv und mit Spaß an der Sache suchtpräventives Wissen erarbeitet haben. Und ich gratuliere den Initiatoren des Projektes zu ihrer Idee, Suchtprävention erlebbar zu machen.“
Gläsernes Labor, Christian Forbrig:
„Oft führt Der Reiz des Unbekannten dazu, Drogen aus Neugier auszuprobieren. Dem konnten
wir vorgreifen, indem wir Substanzen wie Tabak, Alkohol und Cannabis aus einer analytischen
Perspektive betrachteten und damit die von ihnen ausgehenden Risiken aufdecken konnten. Zum Erfolg des Projektes führte bestimmt auch der Projektcharakter, über einen längeren Zeitraum mit denselben Bezugspersonen intensiv an einem Thema und über verschiedene Zugänge zu arbeiten. Dazu gehörten Experimente im Labor, Exkursionen in professionelle Analytiklabore, Gespräche mit Betroffenen und die Nachbearbeitung im Unterricht.“
KARUNA e. V., Jörg Richert:
„Wir freuen uns über die Ausstellung und die neuen Lernstationen, die aus der Zusammenarbeit des KARUNA e.V. und dem Gläsernen Labor entstanden sind, weil so Präventionsangebote nachhaltig wirken können. Selbständig und wissenschaftlich gewonnene Erkenntnisse werden in die Lebenswelt junger Menschen integriert und befähigen sie zu einer bewussten und fundierten Entscheidung im Umgang mit Drogen. Wir beabsichtigen mit der Ausstellung bei KARUNA pr|events unsere Präventionsangebote mit der pädagogisch wertvollen und forschungsnahen Arbeit im Gläsernen Labor zu verknüpfen und für möglichst viele Kinder und Jugendlichen erlebbar zu machen.“
Eröffnungsfeier: Montag, den 22.Juni 2015 Veranstaltungsort: KARUNA pr|events, 1.Stock des Mauritiuskich-Einkaufscenters, Mauritiuskrichstr.3, 10365 Berlin – Lichtenberg
Zeit: 10:45 – 13:30
RBB Beitrag über den Bahnhof Jamlitz
Sa, 11.7.2015, 18.00 – RBB
HALT IN JAMLITZ –
EIN BAHNHOF FÜR STRASSENKINDER
Sophia, Chris und Pascal waren lange Zeit wohnungslos und haben bei Freunden übernachtet, manchmal auch auf der Straße. Seit einem halben Jahr aber leben sie jetzt mitten auf dem flachen Land. In einem „Nirgendwo“ namens Jamlitz. Dort gibt es nur noch wenige Einwohner, und der Bahnhof ist schon lange stillgelegt. Gemeinsam mit anderen Straßenkindern haben sie ihn umgebaut. Unter Anleitung haben sie gelernt, handwerklich zu arbeiten und haben nun sogar einen guten Draht zu den letzten Jamlitzern. Für die bringen die Jugendlichen Schwung in die Einöde. Der Bahnhof wird zu einer Art Zwischenstopp für die Straßenkinder – ein Zuhause auf dem Weg zum selbständigen Leben und Wohnen. Der rbb hat den Prozess mehr als ein Jahr lang begleitet.
Straßenkinder beraten Bundesregierung!
Presseerklärung
Erklärung der Ständigen Vertretung der Straßenkinder
in Deutschland zur Vodafone-Studie
„Deutschlands vergesse Jugendliche“
Bezugnehmend auf die jüngst veröffentlichte Studie des Deutschen Jugendinstitutes im Auftrag der Vodafone Stiftung Deutschland, dass 21.000 Jugendliche ohne Wohnung, Ausbildung und Hilfe in Deutschland auf der Straße leben, stellen wir als betroffene Jugendliche fest, dass sich die gesamte Jugendhilfe in Deutschland in einer existentiellen Krise befindet und zu befürchten ist, dass das staatliche Hilfesystem kollabiert.
Die Landesjugendämter beschreiben auf drastische Weise einen ständigen Anstieg der Jugendhilfeausgaben, bei einer immer schlechteren Erreichbarkeit von uns und anderen, die als junge Menschen unbedingt die Hilfe der Gesellschaft benötigen. Wir halten die Schlussfolgerungen, die aus der Vodafone-Studie abgeleitet werden, für nicht ausreichend und für zu kurz gegriffen. Die Forderungen wiederspiegeln in ihrer Gesamtheit die bereits unternommenen Bemühungen der Jugendhilfelandschaft, die Reparaturcharakter haben. Es bedarf einer tiefgehenden Analyse des Zustandes der Jugendhilfe und seiner Subsysteme, hier insbesondere einer Untersuchung der mächtigen Wirkung der Jobcenter und der Hartz IV-Gesetzgebung auf unser Leben.
Wir empfehlen vielmehr dem Bundesjugendministerium und den kommunalen Jugendämtern, uns sowohl in der konkreten Hilfemaßnahme wie auch bei der Konzeptionierung der Hilfeformate endlich direkt einzubeziehen!
Zugleich ist die Kopplung von Jugendhilfe an die Erbringung von Leistungen durch uns, als Voraussetzung zur Aufnahme der Hilfe, nicht zielführend. Viele der Forderungen überfordern uns in unserer Lebenssituation, die oft von elterlicher Missachtung, von Gewalterfahrungen und Missbrauch geprägt ist. Das lässt uns in den Hilfeprozessen regelhaft scheitern. In der Konsequenz unterstellt man uns die fehlende Mitwirkung und bricht die Hilfe ab.
Zugleich sind viele der Hilfeprodukte der freien und staatlichen Jugendhilfe voller Bestrafungsmodule und -rituale, sind übervoll mit Regeln, die einen freiheitsberaubenden Charakter tragen. Es ziehen pädagogische Konzepte ein, die belohnenden Charakter haben sollen aber in Wirklichkeit die Entkopplung von uns durch ein weiteres aussortieren unter uns fördern. Die ganz „bösen Kinder“ kommen dann mit richterlichem Beschluss in geschlossene Heime der Jugendhilfe. In einigen Jahrzehnten dann wird man uns wohl aus einem Entschädigungsfond Geld zahlen wollen, weil man festgestellt hat, dass Zwang gleich Gewalt ist.
Das sind die wahren Gründe, weswegen wir uns zusehends nicht mehr an das Jugendamt wenden.
Die Öffentlichkeit hat keinen Einblick in das eher intransparente Jugendhilfesystem und reagiert mit Unverständnis uns gegenüber. Viele sind der Meinung, dass wir freiwillig das Leben ohne Wohnraum, das Leben auf der Straße und in zwanghaften Beziehungen, mit Alkohol und Drogen, dem Leben mit Schule, in Geborgenheit und mit Pflichten vorziehen. Das macht uns traurig und wütend. Wir sind als Kinder und Jugendliche zu den Verlierern unserer Gesellschaft gemacht worden. Viele von uns können nicht auf eine fördernde, beschützende, liebevolle Familie zurückgreifen. Unsere uns prägenden Erfahrungen heißen Gewalt, sexueller Missbrauch, psychisch kranke und alkoholabhängige Eltern, Eltern ohne Ressourcen einer liebevollen eigenen Erziehung und Eltern in Armut, die wir als Kinder aber trotzdem lieben.
Mit der 2. Konferenz der Straßenkinder in Deutschland, die vom 25. bis 26. September 2015 in Berlin stattfinden wird und an der mehrere hundert „vergessene, entkoppelte Jugendliche“ direkt von der Straße und aus Notschlafstellen teilnehmen werden, setzen wir den Dialog mit der Politik fort, den wir mit der 1. Bundekonferenz der Straßenkinder 2014 begonnen haben. Das die Bundesjugendministerin Manuela Schwesig und der Präsident der Bundeszentrale für Politische Bildung, Thomas Krüger persönlich an dieser Konferenz teilnehmen werden, stimmt uns hoffnungsvoll.
Unsere Analyse aus der 1. Konferenz der Straßenkinder 2014 und unsere Ideen und Forderungen für eine bessere Jugendhilfe in Deutschland verweisen darauf, das es dringend notwendig ist, eine Jugendhilfereform einzuleiten, die sich an dem US-amerikanischen housing first-Modell orientiert, dass inzwischen auch in Dänemark flächendeckend sehr erfolgreich praktiziert wird. Diese Herangehensweise ist erfolgreicher, wirkt nachhaltig, übt keinen Zwang aus, ist demokratisch und spart sehr viel Geld.
Helfen Sie uns unbürokratisch und schnell, unsere Existenz zu sichern, stellen sie uns Wohnraum zur Verfügung und koppeln sie keine Voraussetzungen daran. Der Weg einer „Wohnbefähigung“ über verschiedenste Etappen, von der Notschlafstelle, über die betreute Jugend-WG hin zur eigenen Wohnung, einhergehend mit der Beendigung der Jugendhilfe ist nicht erfolgreich und zermürbt uns. Ermöglichen Sie uns, dass wir freiwillig um weitergehende psychosoziale Hilfe bitten dürfen und schließen sie die „Geschlossenen Heime“ in Deutschland, in der einige von uns mit Zwang und gegen unseren Willen untergebracht werden. Hier erleiden wir Erniedrigung.
40 Jugendliche im Alter von 16 bis 29 Jahre der Ständigen Vertretung der Straßenkinder in Deutschland und des Justus Delbrück Hauses, der Akademie für Mitbestimmung
Jörg Richert im Auftrag,
Mitglied der Pressesprecher der Ständigen Vertretung der Straßenkinder in Deutschland,
Geschäftsführer des KARUNA Zukunft für Kinder und Jugendliche in Not International e.V.
0177 22 18 432
BKM-Preis an PEOPLE BERLIN
Bilder von der Verleihung des BKM Preises für kulturelle Bildung 2015 der Staatsministerin für Kultur an das KARUNA Label „People berlin – Straßenkinder machen Mode“.






































